CES-Schließanlage im Museum für moderne Kunst Grand-Duc Jean (Mudam), Luxemburg
14.11.2006
Neues Museum des Architekten Ieoh Ming Pei setzt international Maßstäbe
Kunst und Architektur gehen in vielen modernen Museen in aller Welt eine glückliche Verbindung ein. Das Museumsgebäude stellt dabei nicht mehr nur einen Rahmen für die Kunst dar, sondern es bekommt eine hohe Eigenständigkeit und ebensolche Anziehungskraft. Ein Beispiel dafür ist das neue Mudam, „Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean“ in Luxemburg, mit dem sich der 89-jährige sino-amerikanische Architekt Ieoh Ming Pei erneut als genialer Museumsbauer vorstellt. Sein Konzept: Das Museum soll ein Ort der Begegnung sein, an dem sich die Besucher ungezwungen bewegen und ihren Aufenthalt genießen können. 4800 qm der gesamten Nettofläche von 10.000 qm sind öffentlich zugänglich, sie verteilen sich auf drei Ebenen und umfassen neben Ausstellungssälen ein Auditorium, einen Museumsshop und das Café.
Trotz weitestgehender Offenheit der Raumstrukturen spielt die Sicherheit in diesem öffentlichen Gebäude eine wichtige Rolle. Den Zuschlag für die Schließanlage bekam die Velberter Zylinderschlossfabrik C. Ed. Schulte, die damit nach dem Wolfsburger phaeno von Zaha Hadid im vergangenen Jahr schon den zweiten spektakulären Museumsbau in Europa „beschließt“.
Zum Einsatz kamen in Luxemburg 200 CES-Wendeschlüssel-Zylinder. Sie sorgen für die Abgrenzung von öffentlichen und internen Bereichen und den gesicherten und kontrollierten Zutritt der 30 permanenten Museums-Mitarbeiter über eine General-Hauptschlüsselanlage. Das horizontale Wendeschlüsselsystem ist durch eine Vielzahl von Features wirksam gegen Einbruch geschützt. So sind die Zylinder mit 5 gefederten Sperr- und mit bis zu 12 Kombinationsstiften ausgestattet. Gegen Anbohrversuche sind die jeweils ersten Stiftpaare pro Zylinderseite aus Hartmetall gefertigt und zusätzlich mit gehärteten und verchromten Stahleinsätzen versehen. Die Abtastsicherung gemäß DIN 18252 in Form spezieller Gehäusestifte ist ein wirksamer Schutz gegen Sperrwerkzeuge. Die gesetzlich geschützte Form der Schlüsselspitze verhindert unrechtmäßige Schlüsselkopien und erleichtert gleichzeitig das Einstecken des Schlüssels in den Schlüsselfang. Die im Mudam eingesetzten Zylinder lassen sich außerdem problemlos in eine elektronische Erweiterung der Schließanlage einbinden.
Ieoh Ming Peis Architektur besticht durch ihre geometrischen, sachlichen und monumentalen Formen. Sie öffnet sich dabei bereitwillig Eingriffen durch die Künstler. Der Architekt will die Kunst nicht dominieren, sondern den Besucher zur Betrachtung der Kunst anregen. Das Element der Bewegung hat für Pei einen hohen Stellenwert. Der Besucher hat nahezu uneingeschränkte Bewegungsfreiheit, die zahlreichen Treppen und Übergänge, die sich wie freischwebende Skulpturen zwischen verschiedenen Ebenen und Räumen bewegen, sind ein zentrales Element seiner Architektur.
Das Bauwerk hat die Form eines Pfeils, in dem es sich auf das Fundament der sichtbaren Außenmauern der Festung Thüningen aus dem Jahre 1732 stützt. Daraus ergibt sich eine asymmetrische Form mit 45°-Winkeln, die sich aus den Ruinen erhebt. Die Reste des Forts wurden erst mit dem Museumsbau freigelegt und rekonstruiert. Diese Verbindung macht den besonderen Reiz der Museumsarchitektur, aber auch die besondere Herausforderung für den Architekten aus: „Am meisten hat mich das Wechselspiel zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Vergangenheit und Zukunft fasziniert. Wie kann man hier eine Harmonie schaffen, in der sie sich gegenseitig verstärken.“
Der Zugang erfolgt über zwei aufeinander zulaufende Brücken, die sich über die ehemaligen Gräben der Festung spannen und zur Pfeilspitze des Museumsbaus führen. Nach dem Durchqueren des Eingangsbereichs öffnet sich dem Besucher mit der Grand Hall das Zentrum des Museumsgebäudes: eine 33 m hohe Dachkonstruktion aus Glas und Stahl, die von einem viereckigen Turm überragt wird. Die beiden Ausstellungssäle im ersten Stockwerk sind direkt aus der Gran Hall durch eine Treppe oder über Seitentreppen zu erreichen. Sheddächer mit Trägern aus Architekturbeton mit Spannweiten bis zu 29 Metern sorgen hier für natürliches diffuses Licht ohne Schatten.
Die Böden der Ausstellungssäle bestehen aus naturbelassenem Eichenholz, die Wände sind mit Gips gestaltet. Das gesamte Gebäude ist von außen und teilweise von innen mit einem honigfarbenen Kalkstein, Magny doré, verkleidet, der dem kantigen Gesamtensemble bei aller Nüchternheit eine warme Ausstrahlung vermittelt und vor allem in der Kombination mit Glas und Licht seine besondere Ästhetik entfaltet. Die Verschalung des Architek-turbetons an den Decken lässt die Maserung des verwendeten Weichholzes durchscheinen. Auch die Treppen, architektonische Meisterwerke, sind aus Beton gegossen.
Das Mudam, das im Juli 2006 offiziell mit der Ausstellung „Eldorado“ eröff-net wurde, ist ein weiteres Highlight in einer Reihe von internationalen Mu-seumsbauten, die zur weltweiten Berühmtheit des Pritzker-Preisträgers Ieoh Ming Pei beigetragen haben. Dazu zählen zum Beispiel Museen in Washing-ton und Boston, die Umstrukturierung des Pariser Louvre mit der berühmten Glaspyramide oder die neue Ausstellungshalle des Deutschen Historischen Museums in Berlin. In diesem Jahr stehen noch zwei weitere Eröffnungen von Museen an, die Ieoh Ming Pei geschaffen hat: das Museum in Suzhou, Peis chinesische Geburtsstadt, und das Museum für islamische Kunst in Dogha, Katar.
Bautafel:
Bauherr: Ministère des Travaiux publics, Administration des Batiments Publics
Architekten: Ieoh Ming Pei, Cobb Freed & Partners, New York/Georges Reuters Architectes, Luxemburg
Bruttofläche: 12.000 m2
Nettofläche: 10.000 m2
Bauvolumen: 72.000 m3
Maximale Höhe: 33 m
Baubeginn: Januar 1999
Fertigstellung/Einweihung: Juli 2006
Schließanlage: CES
Bildnachweis:
Foto oben: Villaggi
Foto unten: PeiCobbFreed









