Shopfloor Management in CES Fertigung

Schritt für Schritt zur Fabrik der Zukunft

CES steuert seine Fertigung ganzheitlich mithilfe effizienter Lean-Production-Strategien

Die mittelständische Carl Eduard Schulte GmbH Zylinderschlossfabrik (CES), Hersteller hochwertiger mechanischer und elektronischer Schließsysteme, hat ihre Produktion systematisch optimiert. Für den kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) nutzt das Unternehmen moderne Lean-Production-Tools wie beispielsweise Shopfloor Management oder die Verbesserungskata. Ziel ist es, im Workflow auftretende Probleme unmittelbar dort zu lösen, wo sie entstehen: am Ort der Wertschöpfung. Dazu setzen die Verantwortlichen bei CES konsequent darauf, das Stammpersonal weiter zu qualifizieren – und transparente Standards in der gesamten Fertigung zu etablieren.

Wie an jedem Werktag fräst eine Werkzeugmaschine in der Montagehalle präzise Profile aus jedem Schlüsselrohling, der zu einem der hier gefertigten Schließzylinder passt. Direkt daneben bespricht eine Gruppe von Führungskräften vor der Kennzahlentafel in der Halle des Fertigungssegments S48 die aktuellen Zahlen. Rund 20 Übersichten mit Diagrammen und Tabellen geben Auskunft über erzielte Produktionskennzahlen, beispielsweise für Produktivität und Liefertreue der Abteilung. Der Segmentleiter unterrichtet den Fertigungsleiter, den Leiter Industrial Engineering, die Verantwortlichen für Lagerwesen und Arbeitsvorbereitung sowie einmal im Monat den Leiter der Instandhaltung, den Konstruktionsleiter und die Geschäftsführung über den aktuellen Stand. Nach gut zehn Minuten zieht die Gruppe weiter ins nächste Segment.

 

Von der Chefetage in die Montagehalle

Dirk Bergmann, Fertigungsleiter bei CES in Velbert, bringt den Vorteil der täglichen Routine auf den Punkt: „Durch die Shopfloor-Runden sind alle verantwortlichen Führungskräfte in einer Stunde vollständig über die Situation in der Fertigung informiert.“ Eng verzahnte, stabile und standardisierte Prozesse bilden die Basis für das transparente Kennzahlensystem, mit dem sich die komplette Fertigung eigenverantwortlich selbst steuert. „Wenn ein Prozess nicht rund läuft, können wir das Problem direkt am Ort der Wertschöpfung gemeinsam angehen“, so Bergmann. Die laufende Erfassung aller relevanten Kennzahlen ermögliche es, selbst kleinste Abweichungen zeitnah zu entdecken und zu beheben.

Ressourcen strategisch nutzen

Für die Umstellung auf das Shopfloor Management musste die Fertigungsanordnung verändert werden – weg von der klassischen Werkstattfertigung hin zu autarken Segmenten. Dazu war es zunächst erforderlich, die Maschinenstrategie in der Produktion neu auszurichten. Anstatt wie zuvor Sondermaschinen extern anfertigen zu lassen, setzte das Unternehmen fortan verstärkt auf Standardmaschinen, die Experten im Haus mit eigenem Know-how an die speziellen Anforderungen vor Ort anpassten. Daneben wurde auch die EDV-Programmierung für das Reporting vollständig inhouse realisiert. Ein Effekt des Wandels: Seither können im Segment S48 Schließanlagen-Aufträge in einer Losgröße von bis zu 60 mechanischen Schließzylindern innerhalb von 48 Stunden berechnet, produziert, montiert und beim Kunden angeliefert werden – zuvor waren Lieferzeiten von mehreren Wochen die Regel.

„An den verkürzten Lieferzeiten zeigt sich deutlich, dass wir mit dem Shopfloor Management und der Segmentorganisation geeignete Tools eingeführt haben, um kontinuierliche Verbesserungen in der Produktion auf Prozessebene voranzutreiben“, erläutert Richard Rackl, Geschäftsführer von Deutschlands traditionsreichstem Schließzylinderhersteller. Nach seiner Einschätzung ein Pluspunkt auch für den Unternehmensauftritt: „Die Lieferung in 48 Stunden ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal von CES innerhalb der Schließzylinder-Branche.“ Seit 2005 ist Rackl die treibende Kraft bei der Implementierung moderner Lean-Management-Methoden.

Mit System zum Optimum

Ein wichtiger Erfolgsfaktor der bereits realisierten Maßnahmen lag laut Fertigungsleiter Dirk Bergmann darin, die Mitarbeiter, die mit und an den Maschinen arbeiten, frühzeitig in das Projekt einzubeziehen. Dazu zählte neben einem umfassenden Schulungsangebot die abwechselnde Teilnahme an den Shopfloor-Runden während der Einführungsphase. Als nächster Schritt ist geplant, die sogenannte „Verbesserungskata“ verstärkt in den Workflow zu integrieren. Dabei handelt es sich um eine methodisch fundierte Strategie, anspruchsvolle Probleme anzugehen. Im Zentrum steht die Idee, dass die Mitarbeiter das gesamte im Unternehmen vorhandene praktische und theoretische Wissens bündeln und routiniert zur Problemlösung einsetzen. Laut Bergmann fördere die Verbesserungskata die Kompetenz aller Mitarbeiter, Optimierungspotenziale im Wertschöpfungsprozess zu erkennen und effektiv auszuschöpfen. „Nach den positiven Erfahrungen mit modernen KVP-Tools können wir sicher sein, dass die Mitarbeiter wissen, worauf wir alle gemeinsam hinarbeiten, und diesen Weg mitgehen“, erklärt der Fertigungsleiter.

Seitdem Prozesseffizienz zu einem Kernbestandteil der Unternehmensphilosophie geworden ist, übernehmen die einzelnen Mitarbeiter innerhalb der transparenten Abläufe deutlich mehr Verantwortung als zuvor. „Wir vermitteln den Kolleginnen und Kollegen, dass jeder einzelne von ihnen der Experte an seinem Arbeitsplatz ist – das erhöht die Motivation bei allen Beteiligten“, erklärt Dirk Bergmann.

 

Die Resultate der bisher umgesetzten Maßnahmen:

Seit Einführung der Lean-Management-Methoden setzen sich die Mitarbeiter stärker als zuvor mit den Feinheiten der Prozesse in ihrem Verantwortungsbereich auseinander. Zudem können sie bei akuten Problemen und Herausforderungen in der Produktion ihre Ideen und Lösungsansätze direkt einbringen. Einzelne Fertigungssegmente verzeichnen seit der Einführung unter anderem Produktivitätszuwächse im zweistelligen Prozentbereich.

Basis für mögliche Kooperationen


Der quantitative und qualitative Nutzen des Konzepts überzeugt nicht nur die Geschäftsführung bei CES. Um die Erfahrungen aus dem Shopfloor Management und der Segmentorganisation an Produktionsfachleute aus anderen Branchen weiterzugeben, fand im Juli 2013 im Hause CES erstmals ein Seminar mit externen Teilnehmern statt. Die Gäste lernten die bei CES praktizierten Lean-Methoden kennen und gaben im Austausch wertvolles Feedback. Positiv bewerteten sie vor allem die Organisation der Fertigung sowie die Flexibilität der Mitarbeiter im Betrieb. CES-Geschäftsführer Richard Rackl bilanziert: „Das motivierende Fazit der Teilnehmer hat uns darin bestärkt, dass wir unsere KVP-Aktivitäten konsequent weiter vorantreiben werden.“ Zurzeit wird intensiv geprüft, inwiefern das erworbene Know-how auch branchenintern in Form von Beratungsleistungen und Schulungsprogrammen vermittelt werden kann. Für Rackl ein logischer Schritt: „Wir beliefern eine Reihe von Kunden, die zugleich auch selber Hersteller sind, mit unseren Produkten und sehen darin einen Anknüpfungspunkt für operative Kooperationen.“