CES Schließanlage in der Elbphilharmonie

Das Projekt:

Von der weithin sichtbaren, geschwungenen Glasfassade über den auf Stahlfedern schwebenden Konzertsaal bis zu den Schließanlagen für die rund 2.500 Türen: Die Elbphilharmonie ist in jeder Beziehung ein außergewöhnliches Objekt.

Wie die übrigen Gewerke musste auch das Schließsystem besonderen Anforderungen genügen. Die Ausschreibung sah eine mechanische Schließanlage in hochwertiger Edelstahloptik vor.

Gemeinsam mit unserem Partner Konntec Sicherheitssysteme GmbH aus Mönchengladbach haben wir den Zuschlag erhalten.

Bildhinweis: Maxim Schulz (Außenaufnahme), Claudia Höhne (Innenaufnahmen)

Die Herausforderung: der komplexe Schließplan

Die Elbphilharmonie beherbergt nicht nur den Konzertbetrieb, sondern zugleich einen Hotel- und Gastronomiebereich, einen Verwaltungs- und Techniktrakt, private Apartments sowie ein Parkhaus und eine öffentlich zugängliche Plaza. Diese Vielfalt an Funktions- und Organisationseinheiten und die damit verbundenen unterschiedlichen Zutrittsrechte mussten im Schließsystem abgebildet werden. Während etwa die Feuerwehr in der Lage sein muss, im Ernstfall sämtliche Türen der Elbphilharmonie zu öffnen, haben Musiker, Hotel- und Restaurant-Mitarbeiter, Technikpersonal und Putzkolonnen jeweils nur eingeschränkte Öffnungsberechtigungen. Zugleich bestehen neben eindeutig voneinander abgegrenzten Bereichen zahlreiche Übergänge und Berührungspunkte zwischen den verschiedenen Funktionseinheiten.

Bei einem öffentlich zugänglichen Gebäude wie der Elbphilharmonie kommt nicht zuletzt einem exakt ausgearbeiteten Rettungs- und Fluchtwegeplan große Bedeutung zu. Auch hier sind spezielle Zutrittsregelungen vonnöten. Intensive Vor-Ort-Begehungen und Schließplanbesprechungen zwischen Mitarbeitern von Konntec und CES sowie den künftigen Nutzern ergaben zunächst ein detailliertes Anforderungsprofil. Auf dieser Grundlage entstand die mehr als 20 DIN A3 Seiten umfassende Schließplanmatrix – eine Art Konstruktionsvorlage für die spätere Tür-Schließanlage. Eine Software allein wäre mit der komplexen Funktionalität schlicht überfordert gewesen. Von entscheidendem Vorteil war, dass CES über eine eigene Abteilung mit erfahrenen Systemanalytikern verfügt, die solche Schließpläne mit ihren anspruchsvollen funktionellen Anforderungen errechnen und umsetzen können.

Dauerfreigabe per CES-Schließung

Seinen Praxistest hat das CES Schließsystem auch im Zusammenspiel mit der elektronischen Zutrittskontrolle und Fluchttürsteuerung (FTS) bestanden. So können die Haustechniker mit ihrem Bereichsschlüssel gleichzeitig die in die FTS-Terminals integrierten Schlüsselschalter bedienen und damit Verbindungstüren und Lastenaufzüge flexibel steuern. Im Normalfall erfolgt der Zutritt über eine Transponderkarte – allerdings nur für eine Kurzzeitfreigabe. Bleiben die stromführenden Türen länger geöffnet, etwa für einen Transport, löst dies unmittelbar einen Alarm in der Leitstelle, dem Gefahren-Management-System, aus. Im Konzertbereich aber sind aufwendige Transporte an der Tagesordnung. „Die meisten der hier gastierenden Orchester bringen ihre eigenen Musikinstrumente mit, Abend für Abend müssen hunderte Instrumente an- und abtransportiert werden. Da kommt es auf Effizienz und Schnelligkeit an,“ so Dennis Just. Um dies zu gewährleisten, können die Türen und Aufzüge mithilfe der mechanischen CES-Schließung auf Dauerfreigabe geschaltet werden. Ein Plus an Sicherheit gewährleistet die Verknüpfung von elektronischer Zutrittskontrolle und mechanischem Schließsystem auch bei der Steuerung der Besucherströme etwa durch die Fluchttreppenhäuser vom Parkhaus in Richtung Konzertsaal und umgekehrt. Bei einem potenziellen Ausfall der Elektronik steht dem 17-köpfigen Technik-Team um Dennis Just so immer eine Rückfallposition zur Verfügung.

Das Schließsystem

Für die Türschließanlage kam die von CES entwickelte Profilserie DU (Double Undercut) zum Einsatz, ein konventionelles Schließsystem mit hohen Sicherheitsstandards. Durch die zweifache Hinterschneidung in den seitlichen Profilierungen des Zylinders entsteht eine dreidimensionale Nut, die anders als manche 2-D-Systeme nicht einfach kopiert werden kann. Der technische Kopierschutz stellt in Verbindung mit dem gesetzlichen Schlüsselkopierschutz bis 2030 (Patentschutz) einen erheblichen Zusatznutzen dar. Die DU-Profilserie eignet sich aufgrund ihrer extrem hohen Variantenvielfalt ganz besonders dazu, die Komplexität der Schließanlage nahezu eins zu eins umzusetzen.

Standardmäßig werden die Schließzylinder aus Messing gefertigt. Um die geforderte Edelstahloptik zu erreichen, wurde das Metall matt vernickelt und gebürstet. Die stabilen Schlüssel wiederum sind aus Neusilber. Das System ist erweiterungsfähig, Nachlieferungen sind auch Jahrzehnte nach dem Einbau noch möglich – das schafft Investitionssicherheit für den Betreiber.

Sonderlösung Schlüsseltresore

Man stelle sich vor: Der Konzertsaal ist bis auf den letzten Platz besetzt, alles wartet auf die ersten Takte des Orchesters, doch der Kontrollraum ist wegen einer Störung der Elektronik nicht zugänglich. Um auch in solchen Situationen einen zuverlässigen Betrieb zu gewährleisten, sieht das Sicherheitskonzept ein weiteres, grundlegendes Backup speziell für den Konzertbereich vor. Auf der gesamten Fläche des Konzerthauses – vom Kaispeicher mit der „Instrumentenwelt“ im Untergeschoss bis hoch hinaus in die 20. Etage – sind dezentrale Schlüsseltresore angebracht. Die Idee dahinter: Mithilfe eines untergeordneten Schlüssels kann die Entnahme eines ranghöheren Schlüssels elektronisch abgesichert erfolgen, so dass im Bedarfsfall der Zugang zu zentralen Gebäudebereichen möglich ist. „Auf dem Schlüsseltresor befindet sich ein elektronischer Leser. Mithilfe eines mitgeführten Kombischlüssels identifiziert sich der Nutzer über den Leser. Der ebenfalls auf dem Schlüsseltresor angebrachte Bereichsschlüssel wird damit ‚freigeschaltet’ und über die mechanische Schließung ausgegeben. Der untergeordnete Schlüssel bleibt als Pfand zurück,“ erklärt Dennis Just das Prinzip.
Die in dieser Form einmaligen Schlüsseltresore wurden samt Software und spezieller Zahnradmechanik eigens von den Elektronik-Spezialisten von CES entwickelt und umgesetzt. Sie sind ebenso wie die Fluchttürsteuerung in das zentrale Gefahren-Management-System eingebunden, das rund um die Uhr besetzt ist und jede Entnahme und Rückgabe der Bereichsschlüssel dokumentiert. Bei Manipulationsversuchen schlägt das System unmittelbar Alarm und sendet eine Sabotagemeldung. Für Dennis Just eine „rundum sichere Sache“. Durch die Redundanz in der Zutrittskontrolle kann sich der technische Leiter ganz auf seine übrigen Aufgaben konzentrieren und dafür sorgen, dass die Konzertbesucher voll auf ihre Kosten kommen.

Das Timing

Der Einbau der Schließanlage war eines der letzten Gewerke, das in der Elbphilharmonie umgesetzt wurde. Zwischen der finalen Freigabe des Schließplans Mitte September 2016 und der anvisierten Bau- und Schlüsselübergabe am 31. Oktober lagen gerade einmal sechs Wochen. Ein Zeitraum, in dem ein derart umfangreiches und komplexes Schließsystem nur mit generalstabsmäßiger Planung und Effizienz erstellt werden kann.

Während die Produktion der Zylindergehäuse und -kerne bei CES auf Hochtouren lief, bauten die Konntec-Spezialisten bereits erste Teillieferungen vor Ort ein. Auch Nachlieferungen von DU-Zylindern für neue oder korrigierte Türmaße konnte CES innerhalb des engen Zeitfensters bewältigen, sodass der Bau pünktlich zur Übergabe buchstäblich schlüsselfertig war.